17.– 19.10.2025 in Berlin
100 Jahre Hufeisensiedlung – Symposium mit Begleitprogramm
Die Hufeisensiedlung ist nicht nur die größte, sondern wohl auch die bekannteste Anlage des UNESCO-Welterbes „Siedlungen der Berliner Moderne“ – und sie feiert 2025 ihr 100-jähriges Jubiläum: Zu dem Jahrestag der Grundsteinlegung der 1925-1930 in zwei Teilen und mehreren Bauabschnitten entstandenen „Großsiedlung Britz“ wird es ein Symposium mit einem Begleitprogramm aus Ausstellungen, Filmvorführungen und geführten Touren geben. Hier wird deutlich, was den von Bruno Taut im Auftrag der GEHAG höchst farbenfroh und abwechselungsreich gestaltete Siedlungsteil der Hufeisensiedlung auch aus heutiger Perspektive so spannend macht: seine kluge politische Umsetzung, der Übergang zweier städtebaulicher Leitbilder, eine wandelvolle Geschichte und besondere Herausforderungen an den denkmalgerechten Erhalt.

Programm 17.–19.10.2025
noch in Planung, Details folgen
Freitag, 17.10.2025:
Vernissage und Auftakt
- 18.00 – 18:15 Uhr: Grußworte und kurze Einführung ins Thema
- Eröffnung der Sonderausstellung „Von Design-Fortbildung zur NS-Propaganda – Die Mietermagazine von EINFA und GEHAG 1930–1939“: Die Ausstellung widmet sich den von 1930–1939 monatlich herausgegebenen Mietermagazinen der EINFA. Diese war Teil der Wohnungsbaugesellschaft GEHAG und spiegelt die Umbrüche in der Politik des aus dem linken politischen Spektrum heraus entstandenen Unternehmens. Bis Mitte 1933 dreht es sich in den Magazine um Haus und Garten, zweckgemäße Einrichtung und gesundes Wohnen. Nach der Gleichschaltung der GEHAG änderte sich zunächst das Layout, später auch die Inhalte, so dass immer mehr NS-Propaganda Raum fand.
- 19:30 Uhr / Abendprogramm: Filmvorführung(en) zu den Welterbe-Siedlungen
Samstag, 18.10.2025:
Führungen, Buchpräsentation, Keynote-Event
- 11.00 – 13.00 Uhr: Gruppen-Führungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Führenden:
Die Führungen dauern etwa anderthalb bis zwei Stunden und widmen sich den Themen „Leben im Welterbe“ sowie Aspekten der Bau-, Zeit, Sozial-, Kultur-, Stadt- und Architekturgeschichte. Bei größerer Nachfrage sind auch thematisch pointierte, zielgruppenspezifische oder englischsprachige Führungen denkbar. - 13.15 – 14.00 Uhr: Kurator*innen-Führungen; Tour-Ende mit Gelegenheit zur Besichtigung des Mietbaren Museums TAUTES HEIM, durch die Betreiber Katrin Lesser und Ben Buschfeld
- 14.00 – 15.30 Uhr: Buch-Präsentation TAUTES HEIM – Story & Details. Details und Beteiligte zu diesem Veranstaltungsteil werden noch bekannt gegeben — Alternativ: Gelegenheit für selbstorganisierte Imbisse und/oder Besichtigung der Dauer- und Sonderausstellung in der Infostation Hufeisensiedlung
- 16.00 Uhr: Keynote-Vortrag oder -Talk zu „100 Jahren Neues Bauen in Berlin“ (lokaler Veranstaltungsort: vmtl. Infostation Hufeisensiedlung, Gutshof Britz oder näheres Umfeld – Details, Sprecher und/oder Beteilgte werden noch bekannt gegeben)
- Im Anschluss: get together
Sonntag, 19.10.2025:
Öffentliches Symposium
- 9.30 – 10.00 Uhr: Ankunft am Konferenzort (vmtl. Kulturstall Britz – Details werden noch bekannt gegeben)
- 10.00 – ca. 18.30 Uhr: Symposium „100 Jahre Hufeisensiedlung“
Das Symposium ist in unterschiedliche, ca. 1-stündige Themen-Sektionen mit je 4-5 Bild- und Fachvorträgen gegliedert:- Sektion I: Kontext und Stadtgeschichte
- Sektion II: Akteure zur Bauzeit
- Sektion III: Wiederentdeckung
- Sektion IV: Leben heute
- Im Verlauf des Programms sind Pausen und Raum für Diskussionen vorgesehen. Die Veranstaltung richtet sich Bewohnende und die allgemein interessierte Öffentlichkeit. Auch Bewohnende ähnlicher Ensembles sind herzlich willkommen. Voraussischtlicher Konferenzort ist der Kulturstall auf dem Gelände des benachbarten Gutshof Britz; am Konferenzort wird eine temporäre Ausstellung zu den sechs Anlagen des Welterbes „Siedlungen der Berliner Moderne“ gezeigt.
Zum Thema
100 Jahre Hufeisensiedlung
Sechs „Siedlungen der Berliner Moderne“ wurden 2008 gemeinsam zum UNESCO-Welterbe erklärt. Dieser Titel bedeutet, dass ihnen ein „herausragander universeller Wert für die Menschheitsgeschichte“ zugeschrieben wird. Wow, aber handelt es sich nur nur um einfachen Wohnungsbau? Um diese Frage zu beantworten, hilft ein Blick in die Geschichte und unsere eigenen, heutigen Bedürfnisse. Die sechs Siedlungen entstanden als Antwort auf die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen Städten Europas grassierende Wohnungsnot. Sie etablierten höhere hygienische Standards und neue Formen des aufgelockerten Städtebaus. Auch heute sind diese Siedlungen beliebte Wohnquartiere – und gelten zu Recht als Berlins wichtigster Beitrag zur Architekturgeschichte.
Aus diesen sechs Ensembles herausragenden ist die Hufeisensiedlung nicht nur die größte, sondern auch die berühmteste und denkmalpflegerisch herausforderndste. Bereits zu Bauzeiten fungierte die Großsiedlung in Neukölln-Britz als zweigeteilte „Schaustelle“. Hier konkurrierten zwei politische Lager und ihre jeweils protegierten Wohnungsbaugesellschaften GEHAG und DEGEWO. Unter Leitung des von der Wohnungsbaugesellschaft GEHAG berufenen Chefarchitekten Bruno Taut wurden im Bauteil der Hufeisensiedlung neue Formen des Städtebaus erprobt. Sie skalierten die Qualitäten einer Gartenstadt mit einfachen Reihenhäusern und viel Grün und kombinierten diese mit einem urbanen Geschosswohnungsbau, der in kostensparend in serieller Bauweise erreichtet werden konnte.
Die rund um die namensgebende ikonische Hufeisenzeile gruppierte Siedlung ist zudem auch ein lehrreicher Spiegel der Kontroversen und Umbrüche späterer Dekaden. So lässt sich hier nicht nur der Diskurs zur Stadtentwicklung des frühen 20. Jahrhunderts, sondern auch die Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten sowie der wirtschaftsliberale Geist der späten 1990er-Jahre nachzeichnen. Nach dem Verkauf der GEHAG im Jahr 1998 wurden die Reihenhausbestände flächendeckend in Einzeleigentum umgewandelt. Diese massive Herausforderung für den homogenen Erhalt des Ensembles führte zu zahlreichen Initiativen, Projekten und Publikationen, die aus dem Kreis der Bewohnenden initiiert und entwickelt wurden, seitdem Bestand haben und damit auch für vergleichbare Anlagen beispielgebend sein können.
Veranstalter

Verein der Freunde und Förderer
der Hufeiensiedlung Berlin-Britz e.V.
c/o Infostation Hufeisensiedlung
Fritz-Reuter-Allee 44, 12359 Berlin
Kuration und Organisation
Ben Buschfeld, buschfeld.com – graphic and interface design / Tautes Heim
buschfeld.com | tautes-heim.de | LinkedIn
Büro +49 (0)30-25922963


Gefördert durch


Weitere Events

Übersicht der Beteiligten

Impressionen



Weitere Jubiläums-Events
650 Jahre Britz
Die Hufeisensiedlung zählt zu dem Neuköllner Ortsteil Britz. Die Geschichte geht zurück auf ein altes Rittergut, das 1375 erstmalig urkundlich erwähnt wurde und 2025 daher mit einer großen Zahl von Einzelevents seinen 650-jährigen Jahrestag begeht. Neben der Hufeisensiedlung gelten das benachbarte idyllische Areal von Schloss und Gutshof Britz sowie das ehemalige der Britzer Garten, der 1985 als Bundesgartenschau angelegte Parklandschaft als Hauptsehenswürdigkeiten des Ortsteils, der drei Stationen außerhalb des S-Bahnrings gelegen, so ganz anders ist, als das allgemeine Bild des Verwaltungsbezirks Neukölln.
WelterbeFestival
Zum Jubiläum des UNESCO-Weltkulturerbes gestalten Musiker, Literaten sowie Experten vom 23. bis 26. Juli 2025 ein vielseitiges Programm mit Konzerten, Expert*innen-Gesprächen, Lesungen, Ausstellungen und Filmvorführungen. Dazu veranstalten Schülerinnen und Schüler der an das Denkmalensemble angrenzenden Fritz-Karsen-Schule am 23.7. einen Kreativworkshop mit Finissage am Tag der Zeugnisvergabe. An Donnerstag und Freitag folgen zwei Tage mit Gesprächen, Konzerten und Events an ausgewählten Orten. Mit dabei sind etwa einer der typischen „Trockenboden“, die ehemalige Fleischerei und das „mietbare Museum“ Tautes Heim. Den feierlichen Abschluss bildet ein Festakt am Samstag, den 26. Juli mit „Wandelkonzerten“. Dabei führen und sprechen Architektur- und Denkmal-Expertinnen zu Originalschauplätzen der Hufeisensiedlung, während das Berliner Stegreif Orchester für die musikalische Unterhaltung sorgt. Abgerundet wird der Tag mit einem gemeinschaftlichen Picknick auf der Grünfläche innerhalb des Hufeisens. Veranstalter ist das Landesdenkmalamt Berlin in Kooperation mit der Vonovia SE.