Die Triennale der Moderne ist ein überregionales Festival, bei dem die Städte Berlin, Dessau und Weimar im 3-Jahres-Takt gemeinsam die Ideengeschichte und Baukultur der Moderne und ihre heutige Relevanz in den Blick rücken. In Dessau und Weimar erwartet Sie je ein Wochenende Programm, das die Bauhausstätten in ihren städtischen Kontexten verortet. Das Berliner Programm nimmt das gesamte Erbe der Moderne in den Blick und dauert mehrere Wochen. Die Angebote in allen drei Städten sind vielfältig. So finden etwa Touren und Besichtigungen, Ausstellungen und Installationen, Vorträge und Symposien, Filme und Konzerte, digitale Formate sowie Workshops und Diskussionen statt.
Das Programm in Berlin gibt Gelegenheit, die Moderne und ihre Entwicklung in ihrer ganzen Vielschichtigkeit zu erleben. Das Spektrum der von massiven Zäsuren geprägten Metropole reicht von frühen Reformbewegungen des 19. Jahrhunderts, der Entstehung der „Elektropolis Berlin“ über das Neuen Bauen der 1920er und 30er Jahre, die Nachkriegsmoderne in Ost und West, die Spätmoderne der 1960er und 70er Jahre bis hin zur Post-Moderne der 1980er Jahre. Eine weitere Besonderheit des Berliner Programms liegt in dem Zusammenwirken von großen und kleinen Institutionen mit einer Vielzahl von Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft.
Das Programm in Weimar, am Gründungsort des Bauhauses, führt zu zentralen Orten dieser „Modellstadt der Moderne“. Neben dem von Henry van de Velde entworfenen Kunstschulgebäude, das heute von der Bauhaus-Universität Weimar genutzt wird, verfügt Weimar verfügt über wesentliche Bauten aus der frühen Moderne. Mit dem Bauhaus-Museum Weimar entstand ein neues Kulturquartier, das die ambivalente Historie vom ausgehenden 19. Jahrhundert über die Weimarer Republik, die NS-Zeit und der DDR bis hin zur Gegenwart spannt.
Das Programm in Dessau ist eng mit dem Wirken des 1925 in die Stadt übergesiedelten Bauhauses verknüpft. Neben dem ikonischen Schulgebäude nach Entwürfen von Walter Gropius und den unweit gelegenen Meisterhäuser existieren zahlreiche weitere Bauhaus-Orte, wie etwa die Siedlung Dessau-Törten oder seit 2017 das UNESCO-Welterbe ergänzenden Laubenganghäuser. Darüberhinaus beleuchtet das Programm aber auch den gesellschaftlichen Kontext des Bauhauses in einer wachsenden Industriestadt, die von bürgerlichen wie proletarischen Kräften gleichermaßen geprägt war.
Weitere Vernetzung auf EU-Ebene – Aus dem Berliner Programm zu Triennale 2022 ging auch die Initiative zu einer European Triennial of Modernism (ETOM) hervor, die einen Austausch verschiedener Akteur*innen in Europa vorantreibt und im Rahmen des „New European Bauhaus“ (NEB) von der Europäischen Union offiziell als „ETOM NEB Lab“ geführt wird und seit 2023 im Jahrestakt Milestone- und Interimskonferenzen organisiert. Weitere Information entnehmen Sie bitte den Unterseiten zu ETOM.
Einführung ins Motto 2025
Zerrissene Moderne(n)
Das für die Triennale der Moderne 2025 städteübergreifend gewählte Motto „Zerrissene Moderne(n)“ hebt auf die erzwungene Migration des Bauhauses von Weimar nach Dessau ab. Der Blick richtet sich aber nicht nur auf die Geschichte, sondern spiegelt sich auch in den politischen Debatten nach den letzten Landtagswahlen und wird in einzelnen Programm-Beiträgen thematisiert. Neben dem übergreifenden Motto existieren lokal weitere Themenschwerpunkte.
Die Entwicklungen und die Geschichte(n) der Moderne(n) gehen mit Zerrissenheiten einher, die einer gestalterischen und gesellschaftlichen Avantgarde gegenüberstehen. Zerrissen wurden die Moderne(n) im Aufeinandertreffen mit dem Althergebrachten, im Kampf mit antimodernen Anta-gonismen, mit den Infernalitäten des Faschismus und gegenüber dem revolutionären Terror. Mit eigenen Ambivalenzen und dem Widerstreit einzelner Reformbewegungen kamen innere Zerrissenheiten hinzu. Gerade im Jahr 2025, zum Anlass der 100. Jährung seit der erzwungenen Migration des Bauhauses von Weimar nach Dessau, wird dieses „Zerreißen“ als Motiv in der Moderne sowie in der Aktualität gegenüber den heutigen politischen und gesellschaftlichen Konfrontationen nicht nur in Deutschland deutlich. Auch im internationalen Austausch zeigt sich die Relevanz der Moderne als progressives Erbe für die europäische Demokratie und als Schlüssel für nachhaltige Lösungen gemeinsamer Zukunftsaufgaben.
Der Verdrängung des Bauhauses aus Weimar im Jahr 1925 ging die sogenannte „Schicksalswahl“ in Thüringen von 1924 voraus, der eine Chronologie von Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung und Krieg – und zunächst das Ende der Weimar-er Republik – nachfolgten. Der von Deutschland ausgehende Weltenbrand des Zweiten Weltkriegs sollte „die Moderne“ endgültig zerreißen und zu weiteren und weitreichenderenMigrationsprozessen bis zumindest zum Fall des sogenan-nten Eisernen Vorhangs führen. Wobei die genauere Betrachtung der Genese und der Zerrissenheiten vielmehr von „Moderne(n)“ sprechen lässt und damit unterschiedliche Auslöser und Ausprägungen zur Diskussion stellt, die – der allgemeinen Einordnung nach – von der frühen bis zur späten Moderne auftreten und bis in die heutige Zeit und für das Verständnis einer „reflexiven Moderne“, im erweiterten Sinne, nachwirken. Mit der Auftaktveranstaltung eröffnet die Triennale der Moderne 2025 einen wissenschaftlich-gesellschaftlichen Debatten-Beitrag im aktuellen politischen und kulturellen Diskurs – für das fachlich und allgemein interessierte Publikum.
[Text: Robert K. Huber]
Weitere Schwerpunkte 2025
Das Jahr der Jahrestage …
2025 werden gleich mehrere wichtige Jahrestage begangen, die sich ebenfalls im Programm niederschlagen. Neben dem städteübergreifenden Motto bestimmen drei Jahrestage den Fokus der einzelnen Partner*innen:
- In Weimar: Ambivalenzen der Moderne – Das Bauhaus am Standort Weimar (1919–1925)
- In Dessau: Neubeginn in Dessau – Das Bauhaus am neuen Standort Dessau (1925–1932)
- In Berlin: 100 Jahre Hufeisensiedlung / 100 Jahre Neues Bauen (1924/25)
- Generell: 80 Jahre Wiederaufbau und Nachkriegsmoderne (1945)
- Generell: 50 Jahre Europäische Denkmalcharta (Amsterdam, 1975)
