Transferumbau

Transferumbau

Im Treppenhaus des Max-Liebling-Hauses in Tel Aviv platzte bei Sanierungsarbeiten eine Kachel von der Wand. Unter dem Putz war der Name des Fabrikanten zu lesen: Villeroy und Boch – Made in Germany. Auch andere Baumaterialien aus Deutschland sind in dem 1936 in Tel Aviv errichteten Gebäude zu finden. Das Max-Liebling-Haus ist eins von rund 4.000 Häusern der „Weißen Stadt“, deren Architektur eng mit der Formensprache des Bauhauses verbunden ist. Die Verwendung der Baumaterialien aus Deutschland basiert auf dem nur Wenigen bekannten Ha’avara-Abkommen.

 

Die Ausstellung:

Die Häuser der „Weißen Stadt“ in Tel Aviv (Israel), seit 2003 UNESCO-Weltkulturerbe, sind zu einem Teil mit Baumaterialien aus Deutschland errichtet worden. Das Ha’avara-Abkommen, ein Vertrag zwischen Zionisten in Palästina und Nationalsozialisten in Deutschland, spielte dabei eine bedeutende Rolle. Die Ausstellung Transferumbau betrachtet dieses Transferabkommen aus künstlerischer, architektonischer und politischer Perspektive. Sie wird zur Triennale der Moderne am Bauhaus Dessau gezeigt.

Das umstrittene Abkommen zwischen der Jewish Agency, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Nazideutschland galt von 1933 bis 1938. Es sollte ein Anreiz sein für deutsche Juden, auszuwandern, indem es ihnen ermöglichte einen Teil ihres Besitzes nach Palästina zu transferieren. Dafür zahlten sie ihr Vermögen bei einer der Transferbanken in Deutschland ein. Palästinensische Importeure kauften von diesem Geld Waren wie Baumaterialien in Deutschland und verkauften sie in Palästina. Bei Ankunft in Palästina erhielten die Auswanderer ihre Gelder dann nach Abzug von Kosten wieder zurück.

Über 50.000 deutsche Juden wanderten über das Ha’avara-Abkommen aus. Geschätzte 150 Millionen Reichsmark sollen transferiert worden sein. Ein regelrechter Bauboom setzte durch die Masse an Baumaterialien ein, die die „Weiße Stadt“ Tel Aviv  – vom Zement bis hin zur Fliese – mit prägte.  Mit der Ausstellung Transferumbau im Bauhausgebäude kommen einige Baumaterialien aus Tel Aviv zurück nach Deutschland.

Transferumbau ist ein gemeinsames Projekt von Stiftung Bauhaus Dessau und The White City Center. Die Ausstellung wird parallel in Tel Aviv gezeigt. Das Team um die Künstler Ilit Azoulay, Lou Moriah, Nir Shauloff und Jonathan Touitou, die Kuratorin Hila Cohen-Schneiderman und die Denkmalpflegerin Sharon Golan-Yaron setzt den Fokus auf das Konzept der „Societies on the Move“: die Bewegung von Menschen, Materialien und Kulturen als zentrales Element moderner Architektur und deren Einfluss auf die Stadtentwicklung. Das Projekt wird historische und zeitgenössische Beziehungen erforschen und dabei fragen, wie sich Migration und Mobilität auf Individuen, Städte und Kulturen auswirken, während sie ihre Identitäten neu gestalten.

 

Besucherinformationen

Veranstaltungsort

Bauhausgebäude
Gropiusallee 38
Dessau-Roßlau

Preise

Dauer

4. Oktober – 17. November 2019