Talk Walk: Rückblick auf das neue Siedeln – Gropiussiedlung Törten

Zur Veranstaltung

Die Selbstversorgung mit Lebensmittel war eine ganz zentrale Funktion der in den 1920er und 1930er Jahren errichteten Gartenstadt-Siedlungen. Der Garten galt schlechthin als elementarer Bestandteil, egal ob die Planungen eher traditionellen Weltbildern oder – wie in Dessau-Törten – einer Vision zu einer „neuen und besseren Welt“ folgten. Und so standen denn auch die Gärten selbst weit weniger im Fokus der Auseinandersetzungen über das Neue Siedeln, als sich dieser Streit vergleichsweise an industrieller versus handwerklicher Fertigung und an Gestaltungsrichtlinien entzündete. Und noch heute steht die Gartenseite (nicht nur) in Dessau-Törten etwas im Schatten der Aufmerksamkeit. Dieser Talk Walk folgt daher einmal der Frage: Was haben sich die Gärten der „neuen und besseren Welt“ in den inzwischen neunzig Jahren entwickelt?

 

Zur Führung

Bertram Weisshaar gestaltet Spaziergänge seit 1995, beispielsweise durch Braunkohlegruben, Kleingartensiedlungen und urbane Räume und Ränder. Seit 2001 führt er das Atelier Latent in Leipzig.TALK WALKs sind informative und kurzweilige »Talk-Shows in Fortbewegung«. Entlang einer ausgesuchten Spaziergangroute entwickelt sich ein Gespräch mit in der Regel zwei eingeladenen »Talk Gästen«. Die öffentliche Spaziergangveranstaltung wird in dieser Form also zu einem wortwörtlichen Gedankengang entlang eines ausgesuchten Themas. Häufig geben Fragestellungen zu Baukultur, Verkehr und öffentlichem Raum dabei die Richtung vor. Die jeweils zuvor von Bertram Weisshaar recherchierte Route führt an ausgesuchte, relevante Orte, bringt hierüber die Diskussionen gewissermaßen an die konkreten Orte. Dies unterstützt das Anliegen, die Sachverhalte mit möglichst einfach verständlichen Worten zur Sprache zu bringen. So manches erklärt sich am konkreten Ort auch von ganz allein, wozu sonst vielleicht viele Sätze nötig wären. Die TALK WALKs – meist sind es urbane Spaziergänge – führen einerseits in wenig beachtete Zonen der Stadt oder aber vermitteln andererseits bekannte Orte aus vielschichtiger Perspektive.

Eine den Spaziergang abschließende kurze Talk-Runde bereitet dann Raum, das zuvor Gesehene und Gehörte noch einmal zusammenzufassen, zu reflektieren und nicht zuletzt auch kritisch zu diskutieren. Die Gespräche und Diskussionen werden mittels einer mobilen Anlage verstärkt und können dadurch auch von größeren Gruppen mitverfolgt werden.

 

Die Dessauer Gropiussiedlung Törten

Die von 1926 bis 1928 im Auftrag der Stadt Dessau gebaute Siedlung Törten entstand im Rahmen des Reichsheimstättengesetzes, d. h., die Häuser waren von Anfang an im Besitz der Bewohner. Mit der „halb ländlichen“ Siedlung wollte das Bauhaus Probleme des preisgünstigen Massenwohnungsbaus praktisch lösen. Gropius entwarf eine Reihenhaussiedlung mit Nutzgärten von jeweils 350 bis 400 qm für den Gemüseanbau und die Kleintierhaltung zur Selbstversorgung. In insgesamt drei Bauabschnitten entstanden 314 Reihenhäuser, die je nach Haustyp zwischen 57 und 75 qm Wohnfläche aufweisen. Die Haustypen wurden in verschiedenen Varianten gebaut, um in einem ab 1927 angelegten umfangreichen Versuchsprogramm der Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen Aufschlüsse über eine rationelle Herstellung von Wohnbauten, aber auch über die Eignung neuer Baustoffe und Industrieprodukte zu erhalten. Die Baustelle war, einer Taktstraße ähnlich, so organisiert, dass von spezialisierten Arbeitsbrigaden immer mehrere Häuser eines Bauabschnitts zugleich gebaut werden konnten. Die vor Ort vorgefertigten Bauteile wie z. B. sogenannte Rapidbalken aus Beton wurden mit einer kleinen Bahn transportiert und von Kränen bewegt.

Die hellen Kuben sind spiegelbildlich zu Doppelhäusern und zu Gruppen von vier bis zwölf Einheiten zusammengefasst. Die Fassaden wurden durch vertikale und horizontale Fensterbänder gegliedert; das Innere war in hellen Farben gehalten. Für die Inneneinrichtung boten die Bauhauswerkstätten spezielle Möbel an, die jedoch keine Käufer fanden. Die Konstruktion der Häuser ergab sich aus der Notwendigkeit kostensparenden Bauens: Die tragenden Wände sind aus vorgefertigten, preiswerten Schlackenbetonhohlkörpern errichtet, die Decken wurden aus armierten Stahlbetonträgern hergestellt.
http://www.bauhaus-dessau.de/toerten-6.html

 

Treffpunkt
Ab Endhaltestelle Kreuzbergstraße (Straßenbahnlinie 4 Richtung Dessau Törten)

Kosten: 8,- € p.P.
Dauer: 2,5 h
Teilnehmerzahl: max. 30 Personen
Buchung unter: touristinfo@dessau-rosslau.de